Corona, die Krönung des Irr-Sinns (Teil 5)

Die Trumjohnaros: Untergang der letzten Kolonialherren

Daten und Informationen sind zentrale Ressourcen unserer modernen Wissenskultur. Während das analoge Schulwissen einfach zu kontrollieren war, verliert es in der Netzkultur seine Deutungshoheit. So gerät der lang gepriesene Kolonialismus der Europäer plötzlich in Verruf, da er für viele Menschen heute als Zeichen der Ausbeutung von Mensch und Natur steht. Moderne Sklaventreiber als Staatenlenker leugnen das durch unlautere Daten- und Informationskontrolle gegen die Aufklärung des Kolonialismus. Die Coronakrise offenbart jedoch deren betrügerische Absicht. Die Zeit der kulturellen Veränderung ist gekommen...

Obwohl wir noch nie über so viel Wissen wie heute verfügen, machen wir so viel falsch. Diese Erkenntnis wird wohl nirgends so deutlich wie im Umgang mit dem Klimawandel und dem Coronavirus durch die USA, Brasilien und Großbritannien. Obwohl Trump, Johnson und Bolsonaro (kurz: Die Trumjohnaros) von klugen Wissenschaftlern beraten werden, machen sie genau das Gegenteil von dem, was diese ihnen (zum Schutz der Gesundheit Ihrer Bürger) raten. Dieses irrationale Verhalten bemerken wir im Zusammenhang von verhindertem Klimaschutz durch Unternehmern und anderen Politiker auf der Welt [siehe Blogartikel vom 19.12.2018].

Am Beispiel der Trumjohnaros ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass Wissen nicht zwangsläufig objektiv und rational (und schon gar nicht zweifelsfrei und gemeingültig) ist. In meiner Generation wurde uns das Wissen vermittelt, als wäre es durch Schulbücher in Stein gemeißelt und scheinbar über Klassen und Schulen hinweg einfach überprüfbar. Lehrpläne konnte man bis heute als übergestülpte Sinngebungsanleitungen betrachten, die über jeden Zweifel erhaben schienen und unsere Kultur prägten.

Dem Wissen von oben liegen immer Daten und Informationen zugrunde. Daten können als unerschöpflicher „Rohstoff“ verstanden werden. Doch Daten alleine machen noch keinen Sinn. Die blose Aneinanderreihung von Zahlen z.B. hat noch keine Aussage. Erst wenn wir sie durch unsere Sinne "in-formieren" gewinnen wir Wissen (siehe Wissenspyramide). So helfen uns einzelne Zahlen zur Coronainfektionen nur dann, wenn wir Sie dem Ort und dem Zeitpunkt zuordnen und sie über Graphen und Kurven in-formieren. Erst dann gewinnen wir Wissen über den Verlauf der Pandemie. 

Heute, in Zeiten sozialer Medien sind Daten und Informationen für unzählige Nutzer frei verfügbar und werden von ihnen unterschiedlich interpretiert und dadurch „verzerrt“. Vor allem durch andersartige Erfahrungen über soziale Schichten und deren (religiösen) Werten & Glauben ist die Wissensbildung vollkommen unterschiedlich. Dadurch tritt das offene Netz-Wissen in Konkurrenz zum Obrigkeitsanspruch des traditionellen „Schulwissens“ von oben. Die Verlässlichkeit nimmt ab, die Interpretationsspielräume wachsen. Die Allgemeingültigkeit wird in Frage gestellt. [siehe Blogartikel vom 28.04.2020].

Zwei Beispiele verdeutlichen die vergrößerten Interpretationsspielräume von Wissen:

Das erste Beispiel zeigt die veränderte In-Formation der Geschichtsschreibung aus der Kolonialzeit. Während wir in Schulbüchern der westlichen Welt noch lesen, dass diese Zeit von ehrlichen und mutigen Abendteurern und Geschäftsmännern geprägt war die unsere Kultur zur Blüte treibten, wird diese Geschichtsschreibung heute offenbar von vielen in Frage gestellt. Denn die in Stein und Metall gegossenen Statuen der Kolonialherren werden derzeit von wütenden Menschen im Dunstkreis von „Black lives Matter“ umgerissen. Sie seien eine Schande für unsere Kultur. Denn entgegen der bisherigen, geschichtlichen Darstellung sollen sie für eine beispiellose Ausbeutung von Menschen durch Versklavung verantwortlich sein. Ganz zu schweigen von deren rüksichtsloser Ausbeutung von Bodenschätzen. Unter ihnen so namhafte Personen wie Christoph Columbus.

Offensichtlich gibt es im digitalen Zeitalter immer mehr Zweifel an der heldenhaften Darstellung dieser Kultfiguren, die für unseren Wohl-Stand stehen. Eine fundamentale Umdeutung des Wissens findet statt. Wohl-Stand wird zum Un-Wohl-Stand deklariert [siehe Blogartikel vom 17.05.2020 und 10.06.2020]. Es ist kein Zufall, dass diese Statuen in Zeiten einer digitalen Wissensrevolution vom Sockel gerissen werden. Vielmehr ist es ein weiteres Indiz dafür, dass unsere Kultur in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise geraten ist.

Das zweite Beispiel kommt aus der aktuellen Corona-Pandemie. Dazu werden Daten von der Johns Hopkins University aus aller Welt gesammelt. Diese Daten werden von Medien zu Kurven & Graphen in-formiert. Sie zeigen anschaulich die Infektionsraten aus aller Welt. Für den Betrachter entsteht der Eindruck, dass die Infektions- und Sterberaten wie tagesaktuelle Corona-Börsenwerte „gehandelt“ werden. Während viele Länder einen realistischen Vergleich anstreben, „individualisieren“ die Trumjohnaros die Daten und Informationen des Infektionsgeschehens unverhohlen. Hier geht es um eine künstliche Verknappung und Verfälschung von Daten und Informationen. Die Methoden der 3 Herren werden dabei immer rücksichtsloser. Klar, dass die Trumjohnaros die Medien unter Druck setzen. Denn hier werden sie entzaubert. Ihre Lügen fliegen auf. Um das zu verhindern wurde in Brasilien deshalb versucht, Zahlen und Statistiken zur Ausbreitung von Corona medial gar nicht erst zu veröffentlichen. Die USA reduzieren einfach die Anzahl von Corona-Tests im Land, damit die Infektionszahlen zumindest auf dem Papier sinken. Oder sie bezeichnen das Virus einfach als Hexenjagd der Medien auf den Präsidenten oder schlichtweg als Erfindung der Demokratischen Partei. Trumps einfache Rechnung: Gehen die Infektionen runter, geht der Dow-Jones hoch!

Die objektiven Probleme von Krankheit und Tod durch Covid19 in den USA, Brasilien und Großbritannien lassen sich jedoch immer schwerer wegtäuschen. Schon rollt die zweite Coronawelle an! Das Wissen über das tödliche Virus ist bei mittlerweile 2,5 Mio Infizierten und 125.000 Toten in den USA fast jedem Bekannt. Das Verschweigen, die Manipulation und die Einschränkung von Daten- und Informationen zur Lenkung der Gesellschaft und Wirtschaft durch die Anwendung von Lügen, Macht, Geld und Gewalt ist ein verbreitetes Mittel in Diktaturen. Und eben auch im Kolonialismus.

Aber sie stellen auch ganz allgemein eine Gefahr in der heutigen Welt dar, die sich stark verändern muss. Die eine Gruppe - der auch ich angehöre - sehen deutliche Zeichen einer aufkommenden Kultur- und Umweltkrise und streben fundamentale Veränderungen durch en Fall wirtschaftlicher Macht an. Die anderen reagieren auf diesen Veränderungsdruck mit Ablehnung, da sie ihre eigenen, herrschaftlichen Pfründe davonschwimmen sehen. Kein Wunder, dass selbst in Europa, der Wiege der Demokratie (aber sicher nicht des Mitgefühls!), die Meinungs- und Pressefreiheit in Gefahr ist.

Schuld ist der Irr-Sinn des alten Wohlstandsgedanken. [siehe Blogartikel vom 17.05.2020]. Es ist kein Zufall, dass die Trumjohnaros in Ländern gewählt wurden, in denen der Un-Wohlstand, die soziale Ungerechtigkeit, die hohe Arbeitslosigkeit, der Klimawandel oder ein marodes Gesundheitssystem, etc. am weitesten fortgeschritten sind.

Die Trumjohnaros sind moderne Kolonialherren, die das System der Ausbeutung und Unfairness mit aller Macht in noch beunruhigendere Extreme treiben. Sie wurden von Wählern ins Amt gehievt, die einerseits das Alte nicht loslassen und das neue mangels Perspektive nicht sehen konnten. Es sind Menschen, die sich vor allem in einer tiefen Sinnkrise befinden, die mehr ist als "nur" der Verlust von materiellem Wohlstand. Die Trumjohnaros sind die letzten Ihrer Art die versprechen, mit aller Macht & Autorität das Alte zu bewahren, was längst dem Untergang geweiht ist.

Mit der anbrechenden, neuen Kultur kommt die Rückkehr zum menschlichen Maß. Mit ihr wird eine Art Leadership aufkommen, das eine große, integrative und ausgleichende Kraft besitzt. Diese Qualitäten sind wichtig, um die Unterschiedlichkeit der Menschen nicht durch Machtausübung, sondern durch Mitgefühl willkommen zu heißen. Nur so kann ein stabiles Gerüst für eine auf sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit beruhenden Gesellschafts- und Wirtschaftsform entstehen.

Um das Ziel dieser kulturellen Transformation strategisch zu erreichen reicht es nicht, nur Zahlen und Informationen zur Energie-, Ressourcen und Kosteneinsparung zu kommunizieren. Über verbesserte Effizienz werden wir dieses Rennen nicht gewinnen. Einsparung und Verzicht muss bedeuten, Gutes zu tun und sich gut dabei fühlen. Man erzeugt so ein positives Gefühl für die neuen Chancen dieser Kultur vermitteln, weil sie einfach für alle Sinn macht...

Quelle: Ernst f. Schumacher (1973): Small is beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß.

Ich freue mich auf Ihr Interesse im 6.Teil dieser Reihe.

Ihr

Benjamin Holtz

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Kommentar von S. Holtz |

Die "Trumjohnaros"!! Super Begrifflichkeit für die drei Lügner. Sie sind im Blog gut dargestellt.
Ja, das ist das Problem: Das Alte nicht loslassen können und das Neue nicht sehen.
Europa ist nicht die Wiege des Mitgefühls, das stimmt. Da müsste darüber diskutiert werden.
Die 5. Fortsetzung hat mir besonders gut gefallen: Das Neue wird sichtbar und ich freue mich an dem Optimismus, dass es einen Weg geben wird, dieses Neue als Gesellschafts- und Wirtschaftsform zu installieren, aber hoffentlich nicht nur bei uns....