Corona, die Krönung des Irr-Sinns (Teil 4)

Die Hochkonjunktur der künstlichen Intelligenz

Corona, die Krone des Irrsinns (4)

Der Artikel unten ist keine Kapitalismuskritik, sondern stellt den Sinn über die Art& Weise geldbasierter Hilfsprogramme für die Wirtschaft in Krisenzeiten in Frage. Im Konjunkturprogramm gegen die Coronakrise z.B. wird versucht den Konsum anzufeuern, ohne dabei unsere zugrunde liegende Umwelt- und Kulturkrise zu berücksichtigen. Dadurch wird versäumt, wichtige Strukturveränderungen im Produktions- und Konsumverhalten zu erreichen. Eine Abkehr von der unzeitgemässen energie-, ressourcen- und bewegungsintensiven Kultur wird dadurch verpasst.

In meinem letzten Blogpost schilderte ich das Aufkommen von schweren Krisen in westlichen Gesellschaften aufgrund einer fatalen Wirtschaftsgläubigkeit. Unten lege ich dar, warum die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krisen aus dem gleichen Grunde falsch sind. Anlass ist das aktuell von der Bundesregierung verabschiedete Konjunkturprogramm als Antwort auf die Coronakrise.

Das Programm soll angeblich Maßnahmen zum nachhaltigen Konsum für den Klimaschutz beinhalten. Diese verfehlen jedoch in großen Teilen ihr Ziel, weil die Art der Krise falsch eingeschätzt wird. Die Abwrackprämie für Autos kam zurecht in Verruf, da sie auch solche mit Verbrennungsmotor fördern sollte. Das nun verabschiedete Konjunkturprogramm fördert nun (zum Glück) nur den Kauf von Stromern. Damit sei, so sagt man, dem Klima geholfen. Doch dem ist bei genauerem Hinsehen nicht so. Denn der Klimawandel ist keine reine Klimagas-, sondern eine Umweltkrise die neben der Luft auch das (Meer-)Wasser, die Böden und den Wald betrifft. Unsere Umwelt wird zunehmend durch eine immer intensivere, ständig wachsende und auf immer neuem Ressourcenverbrauch basierende Wirtschaft geschwächt. Statt etwas in die Natur zurückzugeben, sie zu stärken, bauen wir ständig mehr ab. Die Folge ist, dass zentrale Ressourcen wie fruchtbare Böden und Wasser bereits übernutzt oder gänzlich vergiftet sind. Pflanzen, Tiere, Wälder und Naturbiotope gehen teilweise stark zurück oder verschwinden vollkommen.

Durch steigende Trockenheit, höhere Temperatur und stetige Übernutzung geht der Wald permanent zurück. Ein wichtiger Klimagassspeicher wie Bäume es sind, fehlt also dadurch. Das trägt laos zur Verschärfung der Klimakrise bei. Zudem sind Wälder wesentlich Feuchtespeicher, was für das Mikroklima in Regionen wichtig ist. Gehen sie verloren, steigen Hitze und Trockenheit zusätzlich. Dies hat wiederum negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt insgesamt.

corona, die welt weint

Am Ende verstärken sich diese Umweltschäden neben den steigenden Klimagasen in der Atmosphäre gegenseitig zu einer immer weiter verschärfenden Umweltkrise. Jeder Abbau, Verarbeitung und Transport von Ressourcen belastet unsere Umwelt zusätzlich. Es reicht also nicht, nur die Senkung von CO2 an Auspuffen von Autos (oder Schornsteinen von Gebäuden) zu reduzieren. Vielmehr muss der gesamte Einsatz von Materialien beim Bau von neuen Autos (oder Gebäuden) betrachtet und reduziert werden. Der Stoff- bzw. Materialeinsatz ist auf seine Umweltwirkung zu prüfen (Prinzip des Cradle to Cradle).

Getreu dem Motto „die Verhinderung eines neu produzierten Autos ist das umweltfreundlichste Auto“ sollte man also Kaufprämien für neue, „CO2 freie“ Autos nur dann ausloben, wenn gesichert ist, dass die gesamte Umweltwirkung durch verminderten CO2 Ausstoß und Ressourceneinsatz garantiert wird. Dazu gehört auch eine Prüfung, wie weit ein Auto pro Jahr gefahren wird. Ein neues Elektroauto, das nur in der Garage steht hilft dem Klima nicht, da es so nicht in ausreichendem Maß den Vorteil von CO2 ärmeren Fahren ausspielen kann. Das Problem des hohen Ressourcen- und Energieeinsatzes wie bei der Produktion beim Auto mit Verbrennungsmotor bleibt gleich. Der Umweltdruck beider Autotypen durch die Herstellung ist ähnlich hoch.

Was fehlt im Konjunkturprogramm der Bundesregierung ist also ein Budget, das der Stärkung der Umwelt und der Senkung des Ressourceneinsatzes insgesamt dient. Letzteres setzt voraus, dass wir neben Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien (EEEE) unbedingt die Suffizienz, das Re- und Upcycling und die Share Economy als dritte Stufe im Kampf gegen den Klimawandel berücksichtigen. Eine Kreislaufwirtschaft zur Weiternutzung einmal eingesetzter Ressourcen ist von Anfang an und konsequent umzusetzen! Die eMobiltät muss diesen Grundsatz in der Konstruktion und Planung von Fahrzeugen verinnerlichen. Die Rücknahme von Produkten durch die Hersteller ganz gleich welcher Art ist dabei essentiell.

Unsere Wirtschaft und unser Konsumverhalten sollte sich dazu strukturell ändern, gemäß dem Motto: „Weniger ist mehr!“ Statt immer mehr neue Autos zu kaufen und immer schneller zu verschrotten sollte es Programme geben, bestehende Fahrzeuge sparsamer zu machen oder den Verbrenner gegen einen Elektromotor auszutauschen. Eine Sonderprämie für gemeinsam genutzte Autos sollte genauso in modernen Konjunkturprogrammen berücksichtigt werden wie die Verpflichtung Stromtarife abzuschließen, die möglichst viel Ökostrom (und möglichst wenig Kohlegase) beinhalten.

Die Coronakrise wird ebenfalls zu Unrecht als globale Gesundheitskrise (Pandemie) der Menschen dargestellt. Eigentlich stellt sie eine Krise der westlichen (Konsum-)Kultur dar. Hier stellt sie zentral unsere Praktiken im Umgang mit Tieren (und Pflanzen) und deren Lebensraum in Frage, der zunhemend von uns eingegrenzt wird. Der Kontakt zwischen Menschen und Wildtieren nimmt immer weiter zu, sodass Viren vom Tier zum Menschen immer leichter überspringen können. Tier- und Umweltschutzzonen müssen dringend errichtet werden um diese Tendenz zu stoppen.

Gleichzeitig ermahnt uns die Coronakrise, unseren „freien“, globalisierten Güter- und Personenverkehr zu überdenken. Vor allem gilt diese Warnung für Länder mit denen wir Handel treiben, die aufgrund ihrer eingeschränkten Informations- und Pressefreiheit inklusive Menschenrechtsverletzungen zu keinem verlässlichen Informationsaustausch (vor allem über das Aufkommen von tödlichen Viren) mit uns bereit sind. Diese falsche Freiheit gilt auch für die rasende Schnelligkeit der globalen Virusausbreitung durch einen völlig entfesselten, kinetischen Expressionismus der Menschen. Durch diese Erscheinungen werden humanitäre, moralische und kulturelle Fragen adressiert, auf die wir eine Antwort finden müssen Es reicht nicht, einfach nur irgendwie Geschäfte mit Irgendjemanden zu machen um Geld zu verdienen.

Weder die Klimagaskrise, noch die Coronakrise stellen also primär Wirtschaftskrisen dar. Nirgendwo in der westlichen Welt fehlt es uns an Technologie, an natürlichen Ressourcen an Arbeitskraft bzw. an Sachkapital. Denn diese 4 Faktoren, die als Grundbestandteile einer starken Volkswirtschaft gelten, sind doch überall vorhanden. In Deutschland sind sie sogar im Überfluss da. Krisenhaft sind diese Zustände in der Wirtschaft beileibe nicht.

Dass die Probleme auf einer anderen Ebene sind legt die Tatsache nahe, dass es einerseits noch nie so viel Technik und Geld, gleichzeitig die Welt (und die Menschen) noch nie so ausgebrannt und kaputt waren wie heute. Nun soll noch mehr Geld und Technik durch Konjunkturprogramme helfen, uns aus vermeintlichen Wirtschaftskrisen zu helfen. Das kann nur dazu führen, dass wir zwar (im optimistischsten Fall) den Klimagasausstoß entscheidend reduzieren und das Coronavirus zurückdrängen. Gleichzeitig werden wir jedoch auch in der Zukunft mit weiteren, immer bedrohlicheren Umwelt- und Kulturkrisen aus ganz anderen, überraschenden Richtungen konfrontiert, die ganz nebenbei auch unsere Wirtschaft schwer beschädigen. Die Wirtschaft ist abhängig von einer gesunden Umwelt bzw. einer Kultur des nachhaltigen (Zusammen-)Lebens. Ansonsten droht uns ein Leben auf dem Mars. [siehe Blogpost vom 01.06.2020]

In den Konjunkturprogrammen von heute fällt auf, dass wir unsere menschliche Intelligenz weithin auf eine ingenieurhafte, betriebswirtschaftliche Ebene reduzieren, die uns Heil und Wohl-Stand wieder zurückbringen soll. Diese Überzeugung ist für mich sinnbildlich für jene künstliche Intelligenz (KI), von dem wir uns so viel wirtschaftliches Wachstum versprechen. Doch was bei der KI fehlt, ist die emotionale, mitfühlende Intelligenz, die uns Menschen eigentlich ausmacht. Es gibt keine Intelligenz ohne unsere menschliche Emotionalität. Dass wir unserer Umwelt helfen müssen (weil sie leidet und weil wir ohne sie nicht überleben) sollte uns eigentlich unser Gefühl sagen. Das wissen, bzw. fühlen jedoch die Maschinen nicht, auf der wir unsere Zukunft aufbauen.

der mensch und seine welt des geistigen

Denn Maschinen operieren heute und morgen nicht mit Sinn für das, was sie tun. Ihnen fehlt schlichtweg die Intelligenz durch Emotionalität. Sie können nur Verknüpfungen innerhalb der Programmierung ihres binären Systems vornehmen. Überraschende Verknüpfungen mit Querverweisen wie beim Menschen durch die Erfahrungen des Sehens, Fühlens, Riechens, Schmeckens, Tastens inklusive aller geistigen Erfahrungen ist nicht möglich. Also sind und bleiben die Maschinen dumm. Doch im Umgang mit der aktuellen Umwelt- und Kulturkrise wird deutlich, dass wir Menschen immer mehr wie Maschinen operieren: emotionslos, auf Effizienz und binäre Codes getrimmt und am Ende ohne Sinn & Verstand.

Während die Menschen in Zeiten der Pest vergebens auf Gottes Gnade hofften (der schwarze Tod brachte 25 Mio. Tote), sollten wir uns heute vor dem falschen Glauben hüten, dass Technik, Geld und stetes wirtschaftliches Wachstum die Krisen unserer Zeit lösen können. Einzig das Wissen, der Sinn fürs Leben und das Mitgefühl für alles Leben auf dieser Welt können als Ressourcen stetig wachsen und als potentiell unendlich verfügbar betrachtet werden.

Ich freue mich auf Ihr Interesse im 5.Teil dieser Reihe.

Ihr

Benjamin Holtz

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Kommentar von Dr. Holtz Sylke |

Ja, die Coronapandemie ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft,die ohne Spiritualität, dafür in einem grenzenlosen Egoismus lebt und dabei alles zerstört.
"Suffizienz" kannte ich nicht, erscheint mir als sehr wichtig.Eine Rettung aus der KI gibt es nicht. Diese führt uns nur näher an den Abgrund. Schön und treffend das Bild: Das weinende Auge der Erde........ wie traurig....