Warum gibt es nicht mehr Erneuerbare Wärmeenergie?

Effizienzampel Gebäude

Deutschland wird sowohl seine eigens gesetzten CO² Emissionsziele, als auch die der EU für das Zwischenziel 2020 um ca. 8 % verfehlen! So ein Bericht der FAZ von vorgestern. Ein für Atum entscheidender Faktor für das Scheitern ist ein fehlender Fokus auf die Reduktion von Energiemengen bzw. Emissionminen bezogen auf Raumwärme & Warmwasser im Gebäudesektor [Blogartikel vom 09.05.2018].

Nach aktuellem dena-Gebäudereport macht die Wärmeenergie aller Gebäude in Deutschland (Raumwärme 707 TWh & Warmwasser 119 TWh) insgesamt 826 TWh aus. Der Strom für Beleuchtung (72 TWh) und Klimakälte (10 TWh) macht hingegen nur 82 TWh aus. Damit entfällt im Ergebnis ein Endenergiebedarf in Deutschland in Höhe von 91 % auf die Gebäude-Wärme und lediglich 9 % auf den Gebäude-Strom! (siehe dena-Gebäudereport S.18)

Umso besorgniserregender ist es, dass nach aktuellen Hochrechnungen des BDH (2017) „Über drei Viertel der neu abgesetzten Heizungsanlagen […] mit Gas betrieben werden. Rund 10 % der neuen Wärmeerzeuger verwenden weiterhin ineffiziente Niedertemperaturtechnik. Der jährliche Absatz von elektrischen Wärmepumpen ist mittlerweile auf einen Marktanteil von 10 % gestiegen. Der Anteil von Biomassenheizungen […] liegt bei rund 4 %.“ (siehe dena-Gebäudereport S.11) Dass der aktuell erreichte Marktanteil von Wärmepumpen bei weitem nicht ausreicht um die Gebäude-Emissionen zu reduzieren, hatte ich in einem früheren Blogartikel bereits erklärt [Blogartikel vom 15.09.2016]

Aus meinem Alltag als Energieberater in Berlin weiß ich, dass vor allem ein Faktor zu nennen ist, der für die Dominanz von fossilen Heizungsanlagen und gegen die von nachhaltigen, grünen Heizungs- und Warmwasseranlagen spricht: Es gibt keine ausreichenden Preisimpulse für den Um- oder Einstieg in erneuerbare Energien. Denn fossile Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) sind im Vergleich zu erneuerbaren immer noch viel zu günstig.

So rangiert nach Information des Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (BEE) Deutschland in 2016 bei den Preisen und Steuern z.B. für leichtes Heizöl im EU-Vergleich am unteren Ende und auch weit unter dem EU-Durchschnitt (Wochenpreis pro Liter Heizöl im Durchschnitt der 28 EU-Staaten = 68,81 Cent, in Deutschland = 49,75 Cent / siehe Anhang unten).

Die günstigen Preise für fossile Energien sind ein zentraler Grund dafür, dass wir in Deutschland im Gebäudesektor trotz energiepolitischer Maßnahmen des Forderns (z.B. Gebäudeenergiegesetz GEG 2018) und des Förderns (Förderstrategien z.B. über KfW oder BAFA) nach wie vor ein großes Umsetzungsproblem bewältigen müssen! Dieses Problem entsteht bei der Information & Beratung von Kunden, denen schlichtweg das entscheidende Argument der Wirtschaftlichkeit von Erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung fehlt. Deshalb investieren viele Kunden lieber in eine Gas- oder Ölkesselanlage als in eine Wärmepumpe oder Solarthermieanlage, da die Kesselanlage nicht nur in den Gestehungskosten wesentlich günstiger ist, sondern auch bei den Endkonsumenten-brutto-Gaskosten (ca. 6 ct/kWh) gegenüber den Endkonsumenten-brutto-Stromkosten (ca. 29 ct/kWh) als Energieträger zur Wärmeerzeugung wesentlich billiger ist.

So ist selbst eine gut ausgelegte und prima funktionierende Wärmepumpenanlage mit Erdregister bei einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von 4 in der Kostenbetrachtung (29 ct/kWh Strom : 4 JAZ = 7,25 ct für jede kWh Wärmeenergie) gegenüber dem Gas (6,00 ct für jede kWh Wärmeenergie) teurer. Bei den Gestehungskosten ist die Wärmepumpe inkl. dem Erdregister sogar in etwa 4-5 x so teuer wie die Gas-Kesselanlage! Fördergelder z.B. durch die KfW können diese Extrakosten für die Wärmepumpenanlage nicht ausgleichen. Auch bei der Solarthermie sieht es nicht anders aus. Hier liegt der Wärmepreis für 1 kWh bei ca. 7 ct/kWh für Vakuum- und sogar bei ca. 12 ct/kWh für Flachkollektoren. Und auch hier zahlt der Kunde die Extrakosten für Solarthermie [Quelle].

Der Kunde entscheidet sich am Ende gegen die Wärmepumpe bzw. Solarthermie und für den Gas- oder Ölkessel.

Aus diesem Grund ist es aus meiner Sicht unbedingt notwendig, dass sich die Bundesregierung der Forderung des BEE (siehe PDF unten) anschließt und eine Energie- bzw. Verbrauchssteuer mit CO₂-Komponente auf den Konsum von Kohle, Erdöl und Erdgas erhebt. Der BEE schlägt für den Anfang vor, 25 € auf den Ausstoß einer Tonne CO² zu erheben.

Anders wird es bei der notwendigen CO² Einsparung im Gebäudesektor nicht gelingen, die Treibhausgase bis 2030 um 66 bis 67 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren und die Emissionsziele 2030 zu erreichen. Eine solche Verbrauchssteuer würde die externen Kosten mit einbeziehen, die bei jeder Volkswirtschaft dieser Welt durch hohe CO² Emissionen zu Umwelt-, Gesundheits- und Infrastrukturschäden in Milliardenhöhe führen. Bisher werden diese Kosten z.B. bei fossilen Heizungsanlagen einfach ausgeblendet.

Letzten Endes würde durch die Verteuerung von fossilen Brennstoffen durch eine Steuer ein für die Energieberater überzeugendes, wirtschaftliches Argument dadurch entstehen, dass sich Kunden für eine CO₂-freie bzw. CO₂-neutrale Heizung entscheiden. Denn nur wenige Kunden entscheiden sich bisher aus meiner Berufspraxis freiwillig für die teurere Technik, weil sie Ihre eigenen, "hausgemachten" CO² Emissionen nicht in die fortschreitende Klimazerstörung vor Ihrer Haustüre mit einbeziehen.

Dass es nach Einführung einer CO² Energiesteuer für alle Beteiligte zu einer Win (Kosumenten)-Win (Klimaziele Bundesregierung)-Win (Erhaltung der Umwelt) Situation käme, darauf weist der BEE Vorschlag hin. Denn die zusätzlichen, staatlichen Steuereinnahmen würden an private Haushalte und Unternehmen nach Erhebung wieder zurückzugeben. Bei einer sozial gerechten Ausgestaltung dieser Rückflüsse würde sich sogar ein „Netto-Effekt“ ergeben, bei dem Steuern und Abgaben in Summe betrachtet nicht erhöht werden müssten!

Ohne entsprechende, regulatorische Maßnahmen wie durch eine CO² Steuer durch die Politik werden wohl auch die mittelfristigen Emissionsziele bis 2030 nicht erreicht. So verlieren am Ende alle...

Ihr

Benjamin Holtz

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Kommentar von Charly Suter |

Warum nicht Sonnen- / Windenergie nutzen? Ich sah in Thailand das ganze Dach als Sonnenkollektoren, genug Energie sogar für 3 Klimaanlagen.