zur Blog Übersicht

Suffizienz: Weniger ist mehr!

Das Maß der Dinge für eine lebendige Welt

Green Deal EU

Der Weg in die notwendige CO2 Neutralität der Staaten beginnt heute. Deutschland will ambitionierte Klimaschutzziele durch Energieeffizienz und Erneuerbare Energien (EEEE) erreichen. Scheinbar perfekt passt dazu die neue GIGAFACTORY von Tesla in Brandenburg bei Berlin. Doch es stellt sich heraus, dass Musk mit seinen Premiumautos die Umweltprobleme nur verlagert. Es ist gar nicht genug Wasser da sie zu produzieren! Beim Genehmigungsverfahren scheint das keine Rolle gespielt zu haben, dass die Natur sich von den Besitz-, Konsum- und Mobilitätsansprüchen der Menschen regenerieren muss. Diese sind viel zu hoch! Ein Mentalitätswandel ist notwendig, der sich im „Weniger ist Mehr“ der Suffizienz ausdrückt.

Die politischen Ambitionen zu mehr Klimaschutz nehmen zu. Die EU soll [hier] bis 2030 Ihre Treibhausgas-Emissionen statt um 40% nun um 55% im Vergleich zu 1990 senken. Schön, dass Deutschland [hier] nach der historisch ersten Evaluation seiner Emissionsdaten durch den Expertenrat für Klimafragen seine Klimaziele für 2020 noch erreicht. Trotzdem habe ich Zweifel daran, dass der eingeschlagene Weg zur Umsetzung des Klimaschutzgesetz erfolgreich sein wird. Nicht nur, dass der für die Energiewende kritische Gebäudesektor in Deutschland seine CO2 Emissionen bei der Auswertung oben verfehlt hat. Der Gebäudebestand schleppt einen riesigen Sanierungsrückstau zur Einsparung von Wärmeenergie mit sich. Dieser verschärft sich mit jedem Jahr. Meine Zweifel kommen aber vielmehr daher, dass man die Klimakrise immer noch nicht als Umweltkrise begreift. So beruhen Klimaschutzstrategien nur auf erhöhter Energie- und Ressourceneffizienz und der Verbreitung regenerativer Energien. Das reicht nicht, denn dadurch wird das Umweltproblem nicht wahrgenommen, das durch die Unverträglichkeit unseres auf Größenwahn und Hypermobilität beruhenden Konsumverhaltens mit den Regenerationsprinzipien der Natur hervorgerufen wird. Das so entstehende Dilemma zwischen unserem gegenwärtigen volkswirtschaftlichen Grundprinzip des Wirtschaftswachstums und der gefährdeten Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft können wir nur lösen, indem wir unseren Energie- und Ressourcenverbrauch auf „ein rechtes Maß“ reduzieren [Blogartikel vom 06.10.2019].

Tesla

Die Verschärfung der Ressourcenprobleme:
In Berlin und Brandenburg wird dieses Dilemma offensichtlich. Die Firma Tesla will mit ihrer neuen 4. GIGAFACTORY in Grünheide 500.000 Elektroautos pro Jahr produzieren. Firmengründer Elon Musk sagt [hier], dass seine wirtschaftlichen Vorhaben dem Gemeinwohl dienen. Zwar gilt das tatsächlich für die überfällige Produktion von technisch ausgereiften Elektroautos in Deutschland. Nicht jedoch für seine Produkt- und Firmenphilosophie. Denn Tesla baut Autos, die 2.100 kg schwer sind, deren Motor 1.020 PS stark ist und die bei einer Beschleunigung von 2,1 Sekunden von Null auf 100 km/h eine Höchstgeschwindigkeit von 322 km/Std. erreichen (alle Angaben vom Tesla, Model S). Diese „Premiumphilosophie“ bedient vor allem geschwindigkeits- und wachstumsverrückte EGOs [Blogartikel vom 27.12.2019]. Sie macht keinen Sinn in einer Gesellschaft, die im Sinne des Gemeinwohls kurz vor einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h auf allen deutschen Straßen steht. Vor allem aber nimmt sie keine Rücksicht auf die Not leidenden Menschen, Tiere und Pflanzen. 372.000 Liter Wasser pro Stunde soll die neue Fabrik verbrauchen – Naturschützer fürchten um die Trinkwasserreserven in Grünheide. Die Premium-Fabrik verlagert so die Ressourcen- bzw. CO2-Einsparungen am Auspuff der Autoflotte in eine drohende Wasserknappheit mit steigender Waldbrandgefahr. Dem Klima wird durch den verringerten CO2-Ausstoß der Teslas nur kurzfristig geholfen, der Natur nicht. Fazit: Tesla ist nur scheinbar „grün“. Der Gemeinschaft droht gar eine existentielle Krise durch diese egogetriebene Premium- Elektro-Mobilitätswende.

Suffizienz

Das Maß der Dinge:
Eine in den letzten Artikeln beschriebene Kultur der Lebendigkeit ist unter dieser Wirtschafts- und Konsumlogik zur Überwindung der Klimakrise nicht möglich. Denn die Klimakrise ist eine Umwelt-Überlastungskrise. Ende des Jahres haben wir [hier] den Zeitpunkt erreicht, an dem die menschengemachte Produktionsmasse auf der Erde aus Beton, Metall, Plastik und Textilien mehr wiegt als die noch vorhandene Biomasse. Um das Leben zu schützen, müssen wir die Umwelt stärken und Ihre Regenerationsfähigkeit ermöglichen. Dazu muss unsere Produktionsmasse reduziert werden. Was wir dazu brauchen, ist eine neue mentale Haltung zur Reduzierung des Rohstoff- und Energieverbrauchs per se. Damit ist der Wille zur Selbstbegrenzung, zu Konsum- und Mobilitätseinschränkung genauso wie zur Entschleunigung des privaten, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens gemeint.
Diese mentale Haltung wird durch den Begriff der Suffizienz beschrieben. Statt einem Überverbrauch von Gütern und damit von Stoffen und Energie geht es um ein „In Sich Leben und Ruhen“ und gleichzeitig darum, das Leben anderer schützen. So wird das Wirkprinzip von Erneuerbaren Energiequellen aufgegriffen und weitergeführt: Suffizienz bedeutet das eigene Dasein im Rahmen der Regenerationsfähigkeit natürlicher Ressourcen einzurichten.

Die Umweltjournalistin Marian Bichler ist ebenso wie ich davon überzeugt, dass Suffizienz nicht nur zum Erhalt unserer Umwelt unverzichtbar ist, sondern auch zum menschlichen Wohlsein maßgeblich beiträgt. Sie wird sich in einem 4-teiligen Beitrag auf dem Atum-Blog des Themas annehmen.

Kurz zur Person: Marian Bichler ist Diplom-Kommunikationswirtin und arbeitet seit vielen Jahren in den Medien. Ihr Anliegen ist es, den Blick auf das große Ganze mit dem praktischen Wissen des Alltags vor Ort zu verbinden. Sie berichtete über internationale Klimapolitik von den Klimagipfeln in Kopenhagen, Durban und Paris und begleitete andererseits kommunale Klimaschutzprojekte sowohl auf journalistischer als auch wissenschaftlicher Basis. Ich freue mich, Ihnen diese Beiträge im Abstand von jeweils 1 Monat vorstellen zu können. Der erste erscheint am 06.05.2021.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Benjamin Holtz

 

Aktuell bereits erschienene Beiträge von Marian Bichler zum Thema Suffizienz:

M. Bichler: "Aufbruch in eine neue Genusskultur." Blogbeitrag Suffizienz 1 von 4

M. Bichler: "Weichenstellung für die klimaneutrale Zeitenwende." Blogbeitrag Suffizienz 2 von 4

M. Bichler: "Beispielhaft für ganz Europa: Das ecovillage kronsberg in Hannover." Blogbeitrag Suffizienz 3 von 4

M.Bichler: "Neue Wohnformen braucht das Land." Blogbeitrag Suffizienz 4 von 4

Zurück

Kommentare

Kommentar von Johannes W. Erdmann, Prof. Dr. phil. habil. |

Angesichts der zahllosen katastrophal-dystopischen Befunde und Nachrichten sowie vielfach verbreiteter blödsinnig-ideologischer Äußerungen ist es für mich ausgesprochen erfreulich und auch ein Stück weit beruhigend, Deinen seit fast 10 Jahren mit Atum auf solide Füße gestellten Einsatz mitverfolgen zu können für eine lebenswerte bessere Welt und eine verantwortlichere Art uund Weise, unser Leben zu führen. Freue mich und bin gespannt auf die weiteren Beiträge und die Zusammenarbeit mit Mirian Bichler, unterstütze Euch gern in dem Engagement, viele Mitmenschen zum mitmachen zu bewegen. Denn: Wenn wir uns nicht massiv bewegen, bewegt sich wohl kaum etwas in die richtige Richtung. Viel Erfolg!
Danke

Kommentar von sylke holtz |

Mit Interesse verfolge ich die Artikel in dem blog von Atum. (Der Firmenname erinnert mich auch an "Atmung"; ein Lebensvorgang, der heutzutage tiefst gestört ist, sichtbar geworden auch durch das Corona-Virus).
Ich bin einfach nur traurig, wenn ich von diesem entsetztlichen Arrangement von Tesla mit der Brandenburgischen Regierung lese, von dem immensen Wasserverbrauch dafür, von den riesenhaften e-Autos, die dort hergestellt werden sollen.
Man kann nur sagen: Die Quittung dafür werden wir in jedem Falle bekommen. Es geht nur, -wie im letzten blog angedeutet -, mit einer fundamentalen Änderung unserer Lebenseinstellung; Konsumwahn, Mobilitätswahn ade; und stattdessen eine Kultur der Lebendigkeit zu pflegen. Das bedeutet auch, einen anderen Atemaustausch zu haben zwischen Mensch und Natur/Schöpfung. Wir werden alle daran mitwirken! Diese Hoffnung habe ich doch.....

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 9 plus 1.